Überblick der neuen KfW-Förderung Energieeffizient Bauen

Dipl.-Ing (FH) Bernd Schröder, Leiter Bauberatung JUWÖ informiert:

Die KfW-Förderbank hat neue Merkblätter und technische Mindestanforderungen für die Förderung von Neubauten im Programm "Energieeffizient Bauen" (153) veröffentlicht, die seit April 2016 gelten.

Die wichtigsten Neuerungen haben wir hier für Sie zusammengefasst (Quelle KFW):

Verbesserte Förderung
Der maximale Kreditbetrag wird auf 100.000 € je Wohneinheit verdoppelt. Zudem werden nun auch Kredite mit 20-jähriger Zinsbindung angeboten.
Angaben zur Höhe des Tilgungszuschusses wurden aus dem Merkblatt entfernt. Stattdessen wird dort nun auf die Internetseite der KfW verwiesen, auf der dann der jeweils gültige Tilgungszuschuss zu finden ist. Damit kann die KfW den Tilgungszuschuss mit geringerem Aufwand ändern, nachdem bei den Zinssätzen ja kaum noch Verbesserungen möglich sind.

Neue Förderstufen
Ab April 2016 entfällt die Förderung des Effizienzhaus 70 im Neubau, da dieses dann kaum noch unter dem verschärften Niveau der EnEV liegt. Dafür wird das Effizienzhaus 40 Plus als neue Förderstufe eingeführt. Der Passivhausnachweis (PHPP) wird nicht mehr als Effizienzhausnachweis akzeptiert.

Effizienzhaus 40 Plus

Für die Förderung des neuen Standards eines "Effizienzhaus 40 Plus" müssen zunächst die Anforderungen an ein Effizienzhaus 40 erfüllt werden. Als zusätzliche Anforderung sehen die Merkblätter ein "Plus Paket" mit den folgenden Komponenten vor:

• Eine stromerzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien
• Ein stationäres Batteriespeichersystem (Stromspeicher)
• Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
• Eine Visualisierung von Stromerzeugung und Stromverbrauch über ein entsprechendes Benutzerinterface

Nachweis mit Referenzwerten
Für das Effizienzhaus 55 wird ein alternatives Nachweisverfahren über Referenzwerte eingeführt. Demnach können die Anforderungen an ein Effizienzhaus 55 nachgewiesen werden, indem die im Merkblatt genannten U-Werte der verschiedenen Bauteile sowie die Anforderungen an Wärmebrücken (Zuschlag ≤ 0,035 W/m²K) und Luftdichtheit (n50 ≤ 1,5 h-1) eingehalten werden. Zudem muss eines der im Merkblatt genannten anlagentechnischen Systeme verwendet werden.

• Merkblatt Energieeffizient Bauen (153) - Stand 04/2016 (Änderung markiert)
• Technische Mindestanforderungen (153) - Stand 04/2016 (Neufassung)

Weitere Informationen finden Sie unter kfw.de/153.

Quelle: http://www.oekozentrum-nrw.de/kfw-neubaufoerderung-ab-2016.html

 Auszug aus „Technische Mindestanforderungen der KFW"

Alternativer Nachweis eines KfW-Effizienzhaus 55 nach Referenzwerten

Die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 55 werden erfüllt, wenn die nachfolgend genannten baulichen und anlagentechnischen Anforderungen (Referenzwerte) umgesetzt werden. In diesem Fall ist ein rechnerischer Nachweis für das KfW Effizienzhaus 55 nicht erforderlich.

1.) Folgende Anforderungen an die jeweiligen einzelnen Bauteile der thermischen Gebäudehülle müssen eingehalten werden. Die Anforderungen an die Ausführung von Wärmebrücken sowie an die Luftdichtheit der Gebäudehülle müssen eingehalten werden.

• Dachflächen, oberste Geschossdecke, Dachgauben: U ≤ 0,14 W/(m² K)
• Fenster und sonstige transparente Bauteile: Uw≤ 0,90 W/(m² K)
• Außenwände, Geschossdecken nach unten gegen Außenluft: U ≤ 0,20 W/(m² K).

Hinweis: Dieser Wert ist zu erreichen mit dem neuen ThermoPlan S75 in üblicher 36,5 cm Wanddicke (S365/7.5) oder jeder Wand ab Wanddicke 42,5 cm ab ThermoPlan S9.

• Sonstige opake Bauteile (Kellerdecken, Wände und Decken zu unbeheizten Räumen, Wand- und Bodenflächen gegen Erdreich, etc.): U ≤ 0,25 W/(m² K)
• Türen (Keller- und Außentüren):UD ≤ 1,2 W/(m² K)
• Vermeidung von Wärmebrücken: ΔUWB ≤ 0,035 W/(m²K)
• Luftdichtheit der Gebäudehülle: n50 ≤ 1,5 h-1

2.) Für die Anlagentechnik ist eines der sechs nachfolgenden Anlagenkonzepte umzusetzen. Der Aufstellungsort des Wärmeerzeugers bzw. der Wärmeübergabestation muss innerhalb der thermischen Gebäudehülle liegen und es muss eine zentrale Trinkwarmwasser-Bereitung vorhanden sein. Eine Trinkwarmwasserzirkulation ist zulässig.

• Brennwertkessel, solare Trinkwarmwasser-Bereitung (Standardwerte nach DIN V 4701-10), zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad> 80%)
• Fernwärme mit zertifiziertem Primärenergiefaktor fp ≤ 0,7, zentrale Lüftungsanlage mit Wärme-rückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad > 80%)
• Zentrale Biomasse-Heizungsanlage auf Basis von Holzpellets, Hackschnitzel oder Scheitholz, zentrale Abluftanlage
• Sole-Wasser Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe, zentrale Abluftanlage
• Wasser-Wasser Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe, zentrale Abluftanlage
• Luft-Wasser Wärmepumpe mit Flächenheizsystem zur Wärmeübergabe, zentrale Lüftungs-anlage mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad > 80%)

Eine zentrale Abluftanlage kann durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ersetzt werden. Darüber hinaus gehende Abweichungen von den genannten Anforderungen an die Bauteile und den aufgeführten Anlagenkonzepten sind für dieses Nachweisverfahren nicht zulässig. Weitere Wärmeerzeuger für Heizung oder Trinkwarmwasser sind nicht zulässig, auch nicht als ergänzender Wärmeerzeuger. D.h. ein Kaminofen oder Kachelofen ist bei diesem Konzept nicht zulässig. Soweit sinnvoll können die Konzepte um solarthermische Anlagen (Heizungsunterstützung, Trinkwarmwasserbereitung) oder Photovoltaik-Anlagen ergänzt werden.

Tipp: In den Referenzwerten ist zwangsläufug viel Sicherheit "eingebaut". Dies erfordert im Endeffekt mehr Aufwand in der Ausführung als tatsächlich notwendig. Aufgrund der planerischen Einschränkungen und den komplexen Vorgaben empfehlen wir die bisher bewährte Vorgehensweise des EnEV -Nachweises im Bilanzverfahren.