JUWÖ Ziegelwände gewährleisten Nachhaltigkeit beim Bauen

SANKT WENDEL / WÖLLSTEIN. Die Eheleute Anja und Sven Rohr haben ihren Traum vom Eigenheim realisiert: Ihr Wohnhaus im Neubaugebiet von St. Wendel-Dörrenbach wurde sogar gemäß einem neuen Zertifikat für nachhaltiges Bauen zertifiziert und mit der Note 2,6 (gut) bewertet.

Erarbeitet wurden die Kriterien des Zertifikats durch Experten im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Als Auditor für Rohrs Einfamilienhaus fungierte Dipl.-Ing. (FH) Bernd Schröder von den JUWÖ Poroton-Werken Ernst Jungk & Sohn GmbH in Wöllstein. Als Architekt setzte Dipl.-Ing. (FH) Werner Kleber aus Contwig eine entsprechende Planung der WERKO HausKonzept GmbH um.

Das 152 Quadratmeter Wohnfläche bzw. 171,5 Quadratmeter Netto-Grundfläche bietende Eigenheim verfügt im Erdgeschoss über einen großzügigen Wohn- und Essbereich, ein Gästezimmer, ein Bad sowie Hauswirtschafts- und Technikräume. Über eine gewendelte Holztreppe gelangt man ins Obergeschoss, wo das Elternschlafzimmer mit Ankleide, zwei Kinderzimmer und ein großzügiges Bad zu finden sind.

 

 

Die Gebäudehülle besteht aus hochwärmedämmenden, monolithischen Wänden aus 36,5 dicken Ziegelsteinen des Typs ThermoPlan S9 von JUWÖ Poroton sowie aus Massivdecken aus Stahlbeton. Das Satteldach wurde als Holzsparrendach mit zwischen den Balken liegender Dämmung ausgeführt. Die Heizung und die Warmwasserversorgung des Hauses erfolgen über einen Anschluss an das Fernwärmenetz der örtlichen Energiegenossenschaft Fürth eG. Diese erzeugt Ökostrom in einer benachbarten Biogasanlage, und die dabei anfallende Wärme wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Im Winter auftretende Spitzenlasten werden über ein zusätzliches, zentrales Heizwerk abgedeckt, das mit Pellets oder Hackschnitzeln betrieben werden kann.

Der Primärenergiebedarf des bereits bezogenen Wohnhauses liegt bei jährlich 13 Kilowattstunden pro Quadratmeter; damit werden die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV) um 84 Prozent unterschritten.

Eine Lebenszyklusanalyse für die Baukonstruktion und die Gebäudetechnik (TGA) über einen Zeitraum von 50 Jahren ergab einen Gesamtprimärenergiebedarf von knapp 142 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter allseitig baulich umschlossener Netto-Grundfläche, wovon 45,93 Kilowattstunden auf den nicht erneuerbaren Gesamtenergiebedarf entfallen. Dagegen liegt der Anteil des erneuerbaren Primärenergiebedarf am Gesamtprimärenergiebedarf bei 67,6 Prozent. Die Ökobilanz weist ein Treibhauspotenzial (GWP – global warming potential) von 13,22 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Quadratmeter allseitig baulich umschlossener Netto-Grundfläche und Jahr aus.

Dank seiner vorbildlichen Wärmedämmung in Verbindung mit der höchst umweltfreundlichen und damit nachhaltigen Energieversorgung erfüllt das Haus von Familie Rohr 56 Prozent der aktuellen Nachhaltigskeitsvorgaben, die bei der Zertifizierung zugrunde gelegt werden. Dieser Wert entspricht der Note 2,6, also „gut“.

Bei der vorausgegangenen Einzelbewertung wurde das Haus unter vier verschiedenen Aspekten analysiert, die je ein Viertel der Bewertung ausmachen: seine soziokulturelle und funktionale Qualität (beispielsweise sommerlicher Wärmeschutz und Barrierefreiheit), seine ökonomische Qualität (Kosten im Lebenszyklus sowie Zukunftsfähigkeit des Gebäudes), seine ökologische Qualität (Ökobilanz, Auswirkungen auf die Umwelt sowie Wasser- und Energiebedarf) und die Prozessqualität (Beratung, Zielvereinbarung, Dokumentation und Qualitätssicherung).

„Die hohe Nachhaltigkeit dieses Wohnhauses zahlt sich nicht nur für die Umwelt aus. Auch die Bewohner werden es zu schätzen wissen, in einem gesunden Wohnklima zu leben und trotz allen Komforts dauerhaft nur wenig Geld für den Betrieb und die Beheizung ihres Hauses ausgeben zu müssen“, fasst Auditor Bernd Schröder die Vorteile zusammen, die dieses Beispiel für nachhaltigen Wohnhaushau in sich vereinbart. 

 

INFO: Die Nachhaltigkeit von Kleinwohnhausbauten

Zur Beurteilung und Zertifizierung der Nachhaltigkeit von Gebäuden stehen zahlreiche Methoden auf nationaler und internationaler Ebene zur Verfügung. Schon in den 1990er-Jahren wurden in Großbritannien das System „BREEAM“ und in den USA das Label „LEED“ entwickelt.

In Deutschland wurden 2009 mit dem Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB ) und dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des damaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung eigene Instrumente etabliert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden bewerten diese nicht nur schwerpunktmäßig die Ökologie und Energieeffizienz von Gebäuden, sondern verfolgen einen ganzheitlichen Bewertungsansatz. Dabei werden auch soziale, funktionale, wirtschaftliche, technische sowie prozess- und standortspezifische Kriterien eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus einbezogen. Dieser reicht von Herstellung, der Planung und der Konstruktion über die Betriebsdauer bis hin zum Abriss.

Die Bewertungssysteme bezogen sich in Deutschland bisher aber vor allem auf Bürobauten, Schulen, Industriebauten oder Mehrfamilienwohnhäuser ab sechs Wohneinheiten. Ein- und Zweifamilienhäuser wurden dagegen kaum berücksichtigt, obwohl diese fast 45 Prozent des gesamten Neubauvolumens im Wohngebäudebereich ausmachen (lt. Statistisches Bundesamt, 2014).

2013 hat sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) dieses Themas angenommen und zusammen mit der Hochschule München und dem Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser in Kassel im Rahmen eines Forschungsprojekts einen Kriterienkatalog für kleine Wohngebäude, also Ein- und Zweifamilienhäuser, entworfen. Der entsprechende Kriterienkatalog wurde von Juli 2014 bis Februar 2015 erprobt und zu einem Zertifizierungssystem für die Baupraxis weiterentwickelt. Dieses kann von zertifizierten Auditoren angewandt werden, um den nachhaltigen Bau von kleineren Wohngebäuden zu analysieren und bei ausreichender Erfüllung der Kriterien zu zertifizieren. Das Rohr’sche Haus in St. Wendel-Dörrenbach zählt zu den ersten Einfamilienhäusern, die nach diesem System erfolgreich zertifiziert wurden.

Weitere Infos im Internet unter

www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/Steckbriefe_Kleinhausbau/150525_Bericht_KWHB_Endstand.pdf

Bild 1

Jens Stutzkeitz, Heiko Hofer von WERKO HausKonzept und Dipl.-Ing (FH)Bernd Schröder von JUWÖ Poroton (v.l.n.r.) freuen sich, dass die jetzt in Berlin ausgehändigte Zertifizierungs-Urkunde die Nachhaltigkeit des Hauses von Familie Rohr in St. Wendel-Dörrenbach eindrucksvoll dokumentiert. Foto: JUWÖ Poroton

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Ansicht des zertifizierten Hauses der Eheleute Anja und Sven Rohr in St. Wendel-Dörrenbach.